Ein Bericht der Leinezeitung vom 24. Juli 2019 von Marleen Gaida

Verwaltung ist Verwaltung

Der Syrer Alaaddeen Basheer lebt seit 2015 in Wunstorf und arbeitet seit März 2019 bei der Stadt in der Personalabteilung

Eigentlich sollte es Schweden werden. Doch das Schicksal hat ihn nach Wunstorf gebracht. Alaaddeen Basheer, der mit der ersten Flüchtlingswelle 2015 aus Syrien nach Deutschland kam, ist im Nordwesten der Region Hannover heimisch geworden. Auch sein berufliches Glück hat der 36-Jährige hier gefunden: Seit März arbeitet er in der Stadtverwaltung.

Alaaddeen Basheer 

„Mein Ziel war eigentlich Schweden, ich habe einen Cousin, der dort lebt“, berichtet Basheer. Er habe zu ihm gesagt: „Komm lieber her, es wird immer schwieriger in Syrien.“ Basheer runzelt die Stirn, wenn er von seinem alten Leben erzählt. „Ich war sehr zufrieden in Syrien. Ich hatte meinen Job, meine Familie und eine Arbeit“, sagt er. „Aber ich war gezwungen, mein Land zu verlassen.“

Im Spätsommer 2015 macht er sich mit seiner Schwester, einem Cousin und dessen Familie auf den Weg. Sein Gepäck: ein Rucksack, mehr nicht. Mit dem Bus, so berichtet Basheer, geht es in den Libanon, von dort aus mit dem Schiff in die Türkei und dann per Schlauchboot weiter nach Griechenland. Von dort geht die Flucht über Land nach Mazedonien und „mit einem sehr alten Zug“ ohne Pause nach Serbien. Ein Reisebus, der die Gruppe von Kroatien nach Ungarn fahren soll, kommt nur bis zur Grenze. Dort stockt die Flucht durch Europa abrupt. Polizeikontrollen, drei Tage Warten an der Grenze. Dann geht es wieder in den Bus.

Im österreichischen Linz gibt es erstmalig eine Dusche, frische Kleidung und eine warme Mahlzeit für die Familie. Doch es ist nur eine Zwischenstation: Von Linz geht es nach Passau, es ist das entscheidende Drehkreuz für die Reisenden. „Keiner hat mit uns gesprochen. Wir wurden abgezählt und in Busse gesetzt.“ Wohin es gehen soll, teilt ihnen keiner mit. Aber der Fahrer weiß es: Er steuert den Wunstorfer Fliegerhorst an. Nach 15 Tagen Flucht werden die Menschen hier von freiwilligen Helfern des ASB freundlich in Empfang genommen. Hier gibt es Feldbetten, eine Erstversorgung und Duschen. „Ich war einfach nur noch hundemüde“, erinnert sich Basheer.

Büffeln für die Sprachprüfung

Dem Syrer wird bald klar, was es für eine erfolgreiche Integration braucht: Sprache. Er besucht zunächst die Anfängerkurse und arbeitet sich schnell hoch. Zurzeit büffelt er für das C1-Zertifikat in Deutsch. Die mündliche Prüfung hat er schon bestanden, nur mit dem schriftlichen Test will es noch nicht recht klappen. „Mein Ziel ist es, Deutsch auf Muttersprache-Niveau zu beherrschen.“ Ein großes Erfolgserlebnis gab es bereits: Seit dem 18. März 2019 ist Basheer, der in Damaskus Business Administration studiert hat, fest bei der Stadtverwaltung Wunstorf im Fachbereich 10 und 11 angestellt. Dort unterstützt er die Personalabteilung unter anderem bei der Bearbeitung von Bewerbungen. In die Anstellung gebracht hat ihn der Mut, eine Initiativbewerbung zu schreiben. „Ich habe in Syrien mehr als elf Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Zum Glück hatte ich alle meine Zeugnisse mitgebracht.“ Sein Fazit nach fast sechs Monaten bei der Stadt: „Verwaltung ist Verwaltung.“

Und der Traum von Schweden? Abgehakt. „In Wunstorf gibt es alles, was man sucht. Deutschland ist ein gutes Land.“